Gastartikel: Julia Klein – Wie gibt man eigentlich ein Magazin heraus?

von Sarah Weib-Höfer

Wie gibt man eigentlich ein Magazin heraus? Gute Frage! Vielleicht hattest du auch schon einmal den Traum, Redakteur deines eigenen Magazins zu sein? Eines richtigen Print-Magazins? Genau den hatte Julia Klein, Designerin aus Neuwied, auch. Und dann hat sie beschlossen: Das soll nicht länger bloß ein Traum bleiben, sondern Wirklichkeit werden. Und so hat sie sich gemeinsam mit einer Freundin an die Arbeit gemacht. Wir haben Julia über Instagram kennengelernt und waren verliebt in ihre Geschichte, die sie rund um ihre Arbeit als “Surface-Pattern-Designerin” und Herausgeberin ihres eigenen Magazins zu erzählen hat. Also haben wir ihr 10 Fragen gestellt, die sie heute für euch beantwortet. 

1. Wer bist du und worüber erzählst du?

Hi, ich bin Julia Klein. Anfang dreißig, lebe in der Nähe von Koblenz und arbeite als freiberufliche Surface Pattern Designerin und Illustratorin. Als solche erstelle ich unter anderem Muster für Meterware (Stoffe für Selbermacher), Wohnaccessoires und auch Produkte aus Papier. Die Einsatzmöglichkeiten meiner Designs sind sehr vielseitig.

Außerdem unterstütze ich meine Kunden beim Social Media Marketing und der Erstellung von Konzepten für kreativen Content.

“Kreativsüchtig Magazin”

2017 habe ich mit einer Freundin das Printmagazin „Kreativsüchtig Magazin“ gestartet. Ein Magazin rund um die kreativen Themen Scrapbooking, Kartenbasteln, Mini Alben, Mixed Media und Do it yourself. Dieses veröffentlichen wir zwei mal im Jahr und haben gerade erst unsere 5. Ausgabe herausgebracht.

2. Wie ist dein bisheriger Werdegang? Hast du eine klassische Ausbildung gemacht oder bist du eher per Hobby und Zufall zu deinem Beruf gekommen?

Das kreative Arbeiten wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Nachdem ich also sämtliche Kunst AGs der Schule durch hatte, wollte ich unbedingt etwas Handwerkliches lernen. So kam es, dass ich meine erste Ausbildung zur Kunstglaserin absolvierte.

Während der Ausbildung kam immer mehr der Wunsch auf, Printprodukte zu gestalten, also z.B. Magazine oder Bücher, Post- karten und Co. Da war es naheliegend, irgendwas mit Design noch dran zu hängen. So studierte ich Kommunikationsdesign und entwickelte dabei eine noch größere Affinität für Konzeption, Marketing und detailverliebte Gestaltung.

Ich merkte jedoch ziemlich schnell, dass ich mich in einer klassischen Werbeagentur nicht wohlfühlen würde, also arbeitete ich für mittelständische Unternehmen und später auch in einem Verlag als Grafikerin. Nebenbei habe ich aber immer irgendetwas eigenes gewerkelt, weil ich mich im Job nie so wirklich kreativ ausdrücken konnte. Dabei stieß ich dann irgendwann auf Scrapbooking und die Welt der Bastelei mit Papier.

“Im Job konnte ich mich nie so wirklich kreativ ausdrücken.”

Auf meinem Blog veröffentlichte ich Anleitungen und Inspirationen für andere Kreative, bis die ersten Firmen und Online-Shops auf mich aufmerksam wurden und mit mir zusammen arbeiten wollten. Neben meinem Vollzeitjob im Verlag arbeitete ich irgendwann knapp 30 Stunden die Woche zusätzlich für meinen Blog und einen Bastelshop. Das war eine großartige aber auch sehr anstrengende Zeit. Irgendwann merkte ich, dass ich so kaum noch Zeit für andere Dinge hatte. Es hat mich einiges an Mut gekostet, doch ich schaffte es aus dem Vollzeitjob raus und in eine Teilzeitstelle bei besagtem Bastelshop.

Das fühlte sich einfach so großartig an und ich bin bis heute so stolz aus meinem Hobby – dem Basteln mit Papier – einen Beruf gemacht zu haben! In der Zeit arbeitete ich nicht nur als Grafikerin für den Online-Shop, sondern auch als Online-Redakteurin. Als solche erstellte ich Anleitungen mit Fotos aber auch Videos, stellte verschiedene Produkte vor und entwickelte Printables zum Basteln.

Mittlerweile arbeite ich aber Vollzeit freiberuflich und nicht mehr als Angestellte. Scrapbooking betreibe ich leider schon länger nicht mehr, aber das Kreativsüchtig Magazin ist weiterhin ein Herzensprojekt.

3. Wie sieht dein Alltag aus? Was umfasst deine Arbeit alles?

Mein Arbeitsalltag ist sehr unterschiedlich. Das macht es für mich aber auch nie langweilig! Es gibt Tage an denen ich viel Administratives abarbeite und mich um E-Mails, Telefonate, das Schreiben von Angeboten usw. kümmere.

Am liebsten sind mir aber natürlich die Tage, an denen ich mich wirklich komplett um die kreativen Parts meines Jobs kümmern kann. Ich bin Frühaufsteherin und somit oft schon um halb sieben irgendetwas am recherchieren oder entwickeln. Dann mache ich mir eine Tasse Kaffee und hole z. B. mein Skizzenbuch raus, um ein paar Ideen zu skribblen. So starte ich am allerliebsten.

Es gibt ja auch diesen schönen Spruch „Create something before you consume anything“. Nicht immer gelingt es mir, erst selbst etwas zu machen bevor ich das Smartphone in die Hand genommen habe, um alle möglichen Social Media Kanäle durchzuscrollen. Aber ich arbeite daran und merke auch den Unterschied.

4. Welche Kunden mit welchen Produkten bedienst du?

Ich habe sowohl B2B als auch B2C Kunden. Meine Business Kunden buchen mich z. B. als Grafikerin für klassische Printprodukte, dann erstelle ich Flyer oder auch Produktverpackungen. Andere kaufen Lizenzen oder beauftragen mich für Pattern Designs (Musterdesigns), um sie auf ihr Produkt drucken zu lassen. Der Unterschied ist hier, das bei einer Lizenz die Nutzungsrechte für ein fertiges Design gekauft werden. Bei einem Auftrag erstelle ich individuelle Muster und Illustrationen nach den Wünschen des Kunden.

Dann gibt es aber auch noch meinen Online-Shop. Dort verkaufe ich fertige Produkte, die ich mit meinen Designs habe produzieren lassen. Derzeit sind das Geschirrtücher, Tabletts und Postkarten. In Kürze kommen noch ein paar weitere Produkte dazu.

Und dann gibt es natürlich noch das Kreativsüchtig Magazin. Das Magazin gibt es nur in gedruckter Form und kann bei uns nur von Händlern bestellt werden.

Julia Klein Designs: Surface Pattern Designs auf Stoffen

5. Wie kam es zur Idee, ein eigenes Magazin herauszubringen?

Melanie kenne ich durch das Scrapbooking und dank Social Media. Da wir beide viel gepostet haben und auch auf unseren Blogs sehr aktiv waren, trafen sich unsere Wege unvermeidlich vor einigen Jahren. Wir sind beide eher der Typ, der gerne alles ein bisschen professioneller macht. Also nicht nur als Hobby bastelt, sondern da gerne noch ein Schippchen drauf legt.

Wir konnten uns von Anfang an also super gut über das Erstellen von Bastelanleitungen, Fotografie und Social Media Marketing austauschen und gegenseitig unterstützen. Als wir dann beide für den oben erwähnten Online-Shop arbeiteten und im Design Team waren, merkten wir schnell, dass wir uns gut ergänzen und zusammen arbeiten können.

“Wir merkten schnell, dass wir  uns gut ergänzen”

Mit den Anleitungen zum Nachbasteln wollten wir raus aus dem Internet. Und wir beide hatten unabhängig voneinander schon lange den Wunsch eine Zeitschrift zu machen in der sich alles nur um Scrapbooking, Basteln mit Papier und dem Zubehör dreht. Also haben wir uns zusammen getan und 2017 unsere erste Ausgabe des Kreativsüchtig Magazin herausgegeben!

6. Für wen ist euer Magazin gedacht? Was sind die Inhalte? Was waren deine bzw. eure Motivation und Intention?

“Für alle, die gerne mit Papier basteln.”

Das Kreativsüchtig Magazin ist für alle, die gerne mit Papier basteln, gedacht. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, jeder der gerne Scrapbooking Layouts, bunte Karten, Mixed Media Seiten, Mini Alben für Erinnerungsfotos oder auch andere Do it yourself Projeke verwirklicht, findet hier Inspiration.

Unsere Idee ist es, die Leute auch mal wieder weg vom Digitalen zu bringen und ihnen eine schöne Zeit mit dem Magazin zu schenken. Die Community zusammenzubringen ist uns eine Herzensangelegenheit! Natürlich gibt es diverse Gruppen auf Facebook, in denen man sich austauschen kann, aber es gibt sonst keinen Ort, der Platz für Interviews mit inspirierenden Leuten aus der Community und das Vorstellen kleiner Labels mit innovativen Produkten bietet.

7. Wie kann man sich den Ablauf bei der Erstellung eines Magazins vorstellen? Wie viel Arbeit steckt in einer Ausgabe und woher kommen die Ideen?

Unsere Ausgaben sind ein ständiger Prozess und die Inhalte entwickeln sich beim Machen. Wir haben grobe Themen und Trends, die wir dank Social Media schnell erfassen können und um diese herum bauen wir unsere Contentideen.

Bei unserer 5. Ausgabe des Kreativsüchtig Magazin ist z. B. das Gestalten mit einem Hobbyplotter ganz allein zu einem der Hauptthemen gewachsen. Es gibt Inspirationsbeiträge dazu, Plotterdateien, die wir kostenlos auf unserer Facebook Seite zum Download anbieten, unsere Interviewpartnerin ist bekannt für ihre großartigen Scrapbooking Layouts mit Plotterdateien… Es ist jedes Mal schön zu sehen wie sich der Inhalt unseres Magazins von Ausgabe zu Ausgabe fast schon selbst erstellt. Und das ist ja das Schöne – beim Machen kommen die besten Ideen.

“Beim Machen kommen die besten Ideen.”

Doch wir fangen im Grunde immer mit der Trendrecherche an oder schauen einfach was uns direkt anspricht. Dann überlegen wir uns wen wir noch von außen hinzuholen. Dafür schreiben wir viele Kreative aus der Community an und fragen sie, ob sie ein paar Karten oder Mini Alben basteln möchten als Inspirationsbeitrag für alle. Und von dort aus bildet sich dann wie ein Netz alles Weitere.

Da wir das Kreativsüchtig Magazin nicht hauptberuflich betreiben, erstreckt sich die Arbeit daran über mehrere Monate. Es erscheint zwei Mal im Jahr und ist so für uns gut zu erarbeiten. Die Zeit kosten wir voll aus, um ein rundes Konzept für den Inhalt zu erstellen. Dabei kümmert sich Mel vor allem um die administrativen Arbeiten, aber auch um den größten Teil der kreativen Inhalte. Meine Aufgaben umfassen neben dem Grafikdesign und den Illustrationen auch die Betreuung der Social Media Kanäle, verfassen und erstellen redaktionelle Beiträge für das Magazin und der Versand an unsere Händler.

8. Was macht das Magazin besonders? Wo kann man ein Magazin erwerben?

Wir sind aus der Community, die dieses Magazin liest. Dadurch sind wir recht nah am Geschehen und wissen was wirklich interessant ist und wie wir Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen abholen können, damit alle Freude damit haben.

Verkauft wird das Magazin ausschließlich über unsere Händler. Eine Liste mit allen Shops die das Magazin im Sortiment haben findet man auf unserer Facebook Seite oben angepinnt.

Die Entscheidung keinen Direktvertrieb anzubieten scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt smart zu sein, denn natürlich bekommen wir viele Anfragen, ob wir auch ein Magazin direkt verkaufen können. Doch wir sind nicht nur mit dem Inhalt unseres Kreativsüchtig Magazin Teil der Community, sondern es ist uns wichtig auch die Online-Shops und Ladengeschäfte zu unterstützen.

Dadurch dass sie die alleinigen Verkäufer sind, haben sie die Möglichkeit auch noch andere Produkte zu verkaufen. Denn bei vielen landet nicht nur ein Kreativsüchtig Magazin im Warenkorb, sondern auch noch ein Stempelset, Designpapiere, Stanzen und vielleicht ein buntes Stempelkissen. Mal ganz abgesehen davon, dass wir für uns die Arbeit mit den sensiblen Kundendaten drastisch reduzieren.

9. Was möchtest du sonst noch über dich, deinen Beruf und/oder deinem Magazin erzählen?

Ich bin glücklich darüber, und auch ein bisschen stolz, dass ich mittlerweile auf so viele tolle berufliche Möglichkeiten in meiner Freiberuflichkeit zurückblicken kann. Und auch wenn ich in die Zukunft blicke, bin ich mir sicher, dass es nicht langweilig wird! Denn eines ist klar, es geht immer weiter und es gibt noch so viel zu entdecken und auszuprobieren. Ich liebe es, mich zusätzlich zu all dem was ich eh schon mache, auch mit dem Thema Social Media Marketing zu beschäftigen.

Und es kribbelt mich seit einiger Zeit wieder sehr in den Fingern, deshalb plane ich mir auch wieder etwas zu suchen was ich mit meinen Händen, ohne Bildschirm, kreieren kann. Das ist etwas, was ich an der Selbstständigkeit liebe: Man kann sich seinen eigenen Job erstellen und vieles miteinander kombinieren! Ist das nicht großartig?

10. Wo kann man Kontakt zu dir aufnehmen?

Man findet mich u. a. bei Instagram, auf meiner Website, Facebook und dann gibt es noch einen Online-Shop sowie eine Übersicht meiner Arbeiten bei verschiedenen Heimtextilien. (A. d. R.: Die Links findet ihr in der folgenden Infobox !) 

Vielen Dank für das tolle Interview! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht die Fragen zu beantworten.

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